Geschäftsbericht 2008 der Kulmbacher Gruppe liegt vor

  • Bierabsatz der Eigenmarken wächst gegen den Branchentrend um 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr
  • Konzern-Umsatz liegt nahezu auf Vorjahresniveau
  • Konzern-Ergebnis weist aufgrund nochmaliger außerplanmäßiger Abschreibungen in erheblicher Höhe  auf die Würzburger Hofbräu Gruppe Jahresfehlbetrag in Höhe von – 11,3 Mio. Euro aus
  • Dividendenzahlung entfällt in 2009
  • Dr. Klaus N. Naeve ist Mitglied des Aufsichtsrates der Kulmbacher Brauerei AG
  • Hans P. van Zon bleibt Vorstand Finanzen

 

Kulmbach, 28. April 2009: Insbesondere im ersten Halbjahr  deutlich gestiegene Energie- und Rohstoffkosten, die an Kunden mangels Preiserhöhung nicht weitergegeben werden konnten, und ganzjährig anhaltender Preiswettbewerbsdruck sowie eine erforderliche Fortsetzung der Neu- und Umstrukturierungsmaßnahmen bei der Würzburger Hofbräu Gruppe beeinflussten die Geschäftsentwicklung der Kulmbacher Gruppe im Geschäftsjahr 2008 negativ. Der Unternehmensverbund verzeichnete im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Getränkeabsatz in Höhe von 3,5 Millionen Hektoliter (Vorjahr: 3,6 Millionen Hektoliter). Positiv stellte sich die Absatz-Entwicklung der Bier-Eigenmarken der Kulmbacher Gruppe mit 2,7 Prozent Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr dar. Die Konzernumsatzerlöse belaufen sich auf 222,5 Millionen Euro (Vorjahr: 223,4 Millionen Euro). Die Kulmbacher Gruppe schloss das Geschäftsjahr 2008 mit einem negativen Konzernergebnis in Höhe von -11,3 Millionen Euro (Vorjahr: 0,1 Millionen Euro) ab.

„Den Konzernabschluss 2008 der Kulmbacher Gruppe belasteten  im Wesentlichen Sondereffekte aus einer nochmaligen Abwertung der Würzburger Hofbräu Gruppe. Die Höhe der im Vorjahr vorgenommenen außerplanmäßigen Abschreibungen auf die Würzburger Hofbräu Gruppe war aufgrund der Neueinschätzung der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung unter Zugrundelegung einer realistischen Mehrjahresplanung für die Würzburger Gruppe nicht ausreichend. Die ursprüngliche Einschätzung der Marke und des technischen Zustandes der Würzburger Hofbräu war zu optimistisch. Uns hat die reelle Vorstellung über die Potenziale der Würzburger Marken und die Ausarbeitung eines integrierten Geschäftsmodells über die Zukunft der Würzburger Hofbräu Gruppe zu einer weiteren Abwertung auf diese Unternehmenseinheit veranlasst,“, erläutert Hans P. van Zon, Vorstand Finanzen der Kulmbacher Brauerei AG, das Ergebnis der Kulmbacher Gruppe.

Geschäftsfeld Bier

Die Kulmbacher Gruppe hat ihren Bierabsatz gegen den Branchentrend um 1,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 2.413 Thl (Vorjahr: 2.373 Thl) gesteigert. „Zur erfolgreichen Absatzentwicklung im Biergeschäft der Kulmbacher Gruppe trugen Zuwachsraten bei unserer Marke Mönchshof und die Umstellung der Hauptsorte Kapuziner Weißbier auf das attraktive nostalgische Bügelverschlussgebinde sowie die Einführung eines neuen Kastens im Frühjahr 2008 wesentlich bei“, zeigt Markus Stodden, Vorstand Vertrieb und Marketing der Kulmbacher Brauerei AG, auf.

Die einzelnen Marken der Kulmbacher Gruppe haben sich wie folgt entwickelt:

KULMBACHER litt als stärkste Fassbiermarke in der Gruppe unter der geringeren Nachfrage in Gaststätten im Zuge der Verhängung des strengen Rauchverbotes in Bayern. Dieser Absatzrückgang konnte jedoch durch Absatzmengenzuwächse bei Mehrweggebinden im Handelsgeschäft nahezu ausgeglichen werden.

MÖNCHSHOF entwickelte sich im Geschäftsjahr 2008 zum nationalen Marktführer im Bügelgebinde-Segment. Als Spezialitätenmarke erzielte Mönchshof überproportionale Absatzmengenzuwächse in bestehenden Flächen durch weitere neue Listungen im Lebensmittelhandel und durch eine Distributionsausweitung im Getränkeabholmarkt-Bereich unterstützt.

KAPUZINER  konnte durch die Umstellung der Hauptsorte Kapuziner Weißbier auf das Bügelverschlussgebinde und mit der Einführung eines neuen Kastens überproportional viele zusätzliche Kunden gewinnen und seinen Absatz seit Mai letzten Jahres prozentual zweistellig ausbauen. Die Entwicklung der Marke Kapuziner lag im Kernmarkt Nordbayern deutlich über Vorjahr.

EKU verzeichnete gute Absatzgewinne gegenüber dem Vorjahr.

STERNQUELL erzielte nicht ganz das Absatzergebnis des Vorjahres. Das Kernabsatzgebiet Westsachsen wird stark von ostdeutschen Fernsehbieren mit ihren preis- und aktionsaggressiven Strategien beeinflusst. Auch bei der Marke Sternquell wirkte sich die Einführung des Rauchverbots in der Gastronomie nachteilig auf die Fassbierabsätze aus.

BRAUSTOLZ konnte sich noch stärker als die Heimatmarke der Region Chemnitz etablieren und übertraf die Vorjahresabsatzmenge unter anderem durch verstärkte Veranstaltungs- und Gastronomie-Aktivitäten. Die Marktanteile in der Stadt Chemnitz und Umgebung sind gestiegen.

SCHERDEL entwickelte sich in einem wirtschaftlich nicht einfachen Marktumfeld in Nordostoberfranken solide weiter. Rückläufige Fassbierumsätze konnten durch andere Gebinde-Arten jedoch nicht vollständig ausgeglichen werden.

Die Marken der WÜRZBURGER HOFBRÄU GRUPPE befinden sich weiterhin in einer Phase der strategischen Neuausrichtung. Die Neugestaltung des Marken- und Kommunikationsauftritts der Hauptmarke Würzburger Hofbräu wirkte sich positiv auf die Absatzentwicklung aus. Die Bereinigung des Randsortiments und die Aufgabe unrentabler Handelsmarken-Geschäfte führten insgesamt zu einem unter dem Vorjahreswert liegenden Absatz.

Geschäftsfeld alkoholfreie Getränke

Der Gesamtabsatz im Segment der alkoholfreien Getränke der Kulmbacher Gruppe war im Berichtsjahr rückläufig. Er verringerte sich um 10,6 Prozent auf 1.103 Thl (Vorjahr: 1.233 Thl).

Die Marke BAD BRAMBACHER konnte durch eine Sortimentserweiterung im Bereich der Wellness-Linie „Vita Mineral“, der kohlensäurefreien „Naturell“-Sorten mit Aroma, und zielgerichteten Sympathieaktionen die Marktführerschaft im Segment der 0,5-Liter-PET-Flaschen bei Mineralwasser ausbauen (Quelle: AC Nielsen) und auch bei den Wellness-Getränken Absatzzuwächse generieren. Die Marke Bad Brambacher schloss das Geschäftsjahr im hart umkämpften Wassermarkt mit einem Absatzrückgang von nur 3,2 Prozent ab.  

Umsatz und Ergebnis

Die Umsatzerlöse der Kulmbacher Gruppe lagen mit 222,5 Mio. Euro um 0,5 Prozent unter dem Vorjahreswert von 223,4 Euro. Der Exportanteil lag bei vier Prozent. Auf das Geschäftsfeld Bier entfiel ein Anteil von 165,5 Millionen Euro (Vorjahr: 163,0 Millionen Euro), auf das Geschäftsfeld der alkoholfreien Getränke ein  Anteil von  44,0 Millionen Euro (Vorjahr:  46,5 Millionen Euro).

Das operative Ergebnis (EBIT) von -11,7 Millionen Euro liegt aufgrund eines erneut hohen Wertberichtigungsbedarfs bei der Würzburger Hofbräu Gruppe um 12,7 Millionen Euro unter dem Vorjahreswert. Dieser zusätzliche Abwertungsbedarf bei der Würzburger Hofbräu Gruppe führte im Geschäftsjahr 2008 beim Konzernergebnis zu einem Jahresfehlbetrag von – 11,3 Millionen Euro nach einem Jahresüberschuss im Vorjahr von 0,14 Millionen Euro. Ohne den Einmaleffekt der nochmaligen Abwertung der Würzburger Gruppe erwirtschaftete die Kulmbacher Gruppe im Geschäftsjahr 2008 ein positives Ergebnis (EBIT) in Höhe von 4,6 Millionen Euro.

Bilanzverlust der Kulmbacher Brauerei AG

Der nach handelsrechtlichen Vorschriften ermittelte Bilanzverlust bei der Kulmbacher Brauerei AG in Höhe von 5,4 Millionen Euro wird auf neue Rechnung vorgetragen. Aufgrund des Bilanzverlusts kann für das Geschäftsjahr 2008 keine Dividendenzahlung vorgenommen werden. Im Vorjahr betrug die Dividende 0,11 Euro je Stückaktie.

Vermögens- und Kapitalstruktur

Die Finanzverbindlichkeiten verringerten sich im abgelaufenen Geschäftsjahr von 61,3 Millionen Euro zum 31. Dezember 2007 auf 60,4 Millionen Euro zum 31. Dezember 2008. Die Eigenkapitalquote fiel auf 25,5 Prozent (31. Dezember 2007: 29,4 Prozent).

Investitionen

Die Investitionen der Kulmbacher Gruppe erreichten im Berichtsjahr 18,9 Millionen Euro (Vorjahr: 22,8 Millionen Euro). „Im technischen Bereich führten die Investitionen zu einer Erhöhung des Wirkungsgrades der Anlagen und tragen zur Energieeinsparung bei. Mit den Investitionen im Logistikbereich haben wir die Prozessabläufe optimiert und die Be- und Entladung der Transportfahrzeuge verbessert“, erklärt Dr. Peter Pöschl, Vorstand Technik der Kulmbacher Brauerei AG.

Mitarbeiter

Zum Bilanzstichtag 31. Dezember 2008 waren 1.053 Mitarbeiter (Vorjahr: 1.078 Mitarbeiter) und 95 Auszubildende (Vorjahr: 92) in der Kulmbacher Gruppe beschäftigt.

Die Unternehmen der Kulmbacher Gruppe bilden in den attraktiven Berufen der Industriekaufleute, Kaufleute für Bürokommunikation, Fachinformatiker für Systemintegration, Fachkräfte für Lagerlogistik sowie der in der Braubranche traditionellen Berufe des Brauers und Mälzers aus. Es besteht in der  Unternehmensgruppe die Option, ein sechs-semestriges Studium an der Berufsakademie zu belegen, und somit eine praxisnahe Ausbildung mit einem anspruchsvollem Studium zu verbinden.

Kulmbacher Gruppe auf einen Blick


2008
2007
 Gesamtabsatz (THL)
 3.516  3.606
 Bier Gesamtabsatz (THL)
 2.413  2.373
 AfG Gesamtabsatz (THL)
 1.103  1.233
 Konzernumsatz (Mio. €)
 222,5  223,4
 Jahresüberschuss (Mio. €)
 -11,3  0,1
 Mitarbeiter  1.053 1.078
 Investitionen (Mio. €)
 18,9  22,8
 Dividende je Aktie (€)
 -  0,11

Änderung im Aufsichtsrat

Hans P. van Zon hat sein Mandat im Aufsichtsrat der Kulmbacher Brauerei AG niedergelegt. Er bleibt Vorstand Finanzen der Kulmbacher Brauerei AG. Dr. Klaus N. Naeve, Vorsitzender des Vorstands der Schörghuber Unternehmensgruppe, München, ist in den Aufsichtsrat gerückt.

Ausblick, Perspektiven und Chancen

Vor dem gesamtwirtschaftlichen Hintergrund wird sich die Lage auf dem deutschen Biermarkt im Geschäftsjahr 2009 drastisch verschärfen, der Druck auf die operativen Unternehmensergebnisse wird zunehmen. „Für das laufende Geschäftsjahr 2009 rechnen wir aufgrund der Aussagen führender Wirtschaftsforschungsinstitute mit einer starken Konjunkturabkühlung. Steigende Kurzarbeit und zunehmende Arbeitslosigkeit können sich in der Folge reduzierend auf den Konsum niederschlagen, der insbesondere in der Gastronomie sinkt“, prognostiziert Hans P. van Zon. „Auch im laufenden Geschäftsjahr haben wir mit noch immer hohen Kosteneffekten bei Energie- und Rohstoffen aus den in den letzten Jahren abgeschlossenen Verträgen zu kämpfen“, so van Zon weiter.

Die Neigung der Konsumenten zu Billigbier und Discountmarken wird weiter steigen. Der demografische Wandel schreitet voran und trifft auch die Kernvertriebsregionen der Kulmbacher Gruppe in Nordbayern und Sachsen. Die durch die EU-Gesetzgebung drohende restriktive Alkoholpolitik ist ein für die deutsche Brauwirtschaft nicht zu vernachlässigender Parameter. „Hier konnten wir durch die Bündelung aller Kräfte die schwerwiegendsten geplanten Maßnahmen gemeinsam mit dem Bayerischen und Deutschen Brauerbund zunächst abwehren“, so van Zon weiter.

„Die Kulmbacher Gruppe wird sich vor diesem sich abzeichnenden Umfeld noch intensiver auf ihre starken Marken konzentrieren. Den Wert unseres Kulturproduktes Bier werden wir mit Hilfe genau durchdachter Sympathieaktionen und der Durchführung von Preiserhöhungen für Produkte in höchster Qualität im laufenden Geschäftsjahr in einem weiter rückläufigen Markt untermauern“ bekräftigt Markus Stodden, Vorstand Vertrieb und Marketing der Kulmbacher Brauerei AG.

„Bei der Durchführung von Investitionen werden wir aufgrund der durch die Finanzkrise schwer einschätzbaren künftigen wirtschaftlichen Entwicklung sorgsam agieren. Investitionen tätigen wir in unseren Betrieben dort, wo sich damit eindeutige Wettbewerbsvorteile erreichen lassen. Zudem haben wir uns ein rigoroses Kosten-Management auferlegt“, führt Hans P. van Zon auf. „Zusätzlich werden wir Synergie-Effekte, die sich aus der Zusammenarbeit mit den Brauereien der Brau-Holding International (BHI) ergeben, konsequent nutzen, um unsere Kosten weiter zu senken und unsere unternehmerischen Ziele zu erreichen“, so van Zon.

„Dies tun wir, auch um die zum Teil nicht ausreichend ausgelasteten, aber hochmodernen Anlagen in unseren Brauereien besser auszunutzen, nicht nur in der Produktion, sondern beispielsweise auch in der Abfüllung. Innerhalb des BHI–Verbundes entsteht eine Plattform, die es ermöglicht, einheitliche Strukturen, Standards und Prozesse einzuführen. Diese Plattform werden wir im Interesse der Kulmbacher Gruppe bestmöglich nutzen“, erklärt Dr. Peter Pöschl, Vorstand Technik der Kulmbacher Brauerei AG, die Vorgehensweise. „Zudem gestalten wir die Einsatzmöglichkeiten unserer Mitarbeiter mit Hilfe eines höheren Ausbildungsgrades flexibler, um unsere Wertschöpfung zu erhöhen“, so  Dr. Pöschl weiter.

Hans P. van Zon erklärt abschließend zur Ausrichtung der Kulmbacher Gruppe: „Weiter zielen wir daraufhin, unsere Finanzverbindlichkeiten im laufenden Geschäftsjahr abzubauen. Für 2009 streben wir ein verbessertes und positives Konzernergebnis an. Mit einer Dividendenzahlung ist aber auch noch im kommenden Jahr nicht zu rechnen.“

 

Termine 2009

15. Juli 2009:  Hauptversammlung Kulmbacher Brauerei AG

August 2009:  Halbjahresbericht Kulmbacher Gruppe 2009

 

 

 
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